„Malanca„  klingt wie eine Eissorte, oder ein spanischer Likör ... Selbst alte Motorradhasen schütteln öfters den Kopf „...kenn ich nicht!„ . „ Ah! Italiener!, ja da gab es doch ganz viele, die kann man sich nicht alle merken...„ 

 Nein, kann man wirklich nicht. Muss man auch nicht.

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Mario Malanca begann nach dem Krieg in Bologna mit der Anfertigung von Motorradteilen für andere Hersteller.1956 baute er sein erstes eigenes Motorrad, in welchem ein 48ccm Franco-Morini Einzylinder-Zweitakter für den Antrieb sorgte. 

So wie bei uns Sachs- oder  ILO-Motoren von Konfektionären verwendet wurden, war in Italien der Morini Motor sehr verbreitet.Die Geschäfte liefen gut die Modellpalette wurde erweitert, sogar Exporte nach Amerika waren möglich. Man blieb der 50ccm Klasse treu, begann aber anfang der 60er Jahre auch  eigene Motoren zu bauen.

Der Absatz stieg weiter und bald hatte man eine breitgefächerte Palette verschiedenster Modelle zu bieten. Vom Automatik- Moped Big über Geländemodell Country Spezial, Kleinmotorrad Nicki bis zur sportlichen Testa Rossa

(roter ZylinderKopf) war

 für jeden was dabei. Automatikgetriebe zum Einkaufen fahren, 3-4 Gang Lenkerschaltung  für die echten Kerle, und 4-5 Gang Fusschaltung für die jungen "Renn"-Talente von Morgen....

Sogar am Rollerboom in den frühen 60er Jahren wollte man mit einer eigenen Konstruktion teilhaben. Malanca Vispetta hieß das Modell, aber gegen Vespa von Piaggio und Lambretta von Innocenti konnte man sich nicht auf dem Markt behaupten.

1973/74 kam das erste 125ccm Modell 125 E2C auf den Markt (die 50ccm Modelle, teilweise bis zu 17 Versionen, blieben weiterhin das Hauptstandbein). Ein Zweizylinder Zweitakter mit elktr.Zündung, 2 Vergaser und Fünfganggetriebe. Diese Eigenentwicklung mit 43mm Bohrung bei 43mm Hub je Zylinder, und je nach Vergasergrösse 16-20 PS bei bis zu 9800U/min. bot für die damalige Zeit tolle Werte. Vom Aufbau und Optik sieht der Motor einer 72er Yamaha  RD 125 recht ähnlich. Damals durchaus nicht unüblich...war doch Yamaha in der 125 und 250er Klasse die meist verkaufteste Marke und im Rennsport sehr erfolgreich

 

Dieses ital.Kraftpacket  wurde in ein ebenso sportliches Fahrwerkverbaut: geschlossener Rohrrahmen, Ein-oder Doppelscheibenbremse vorn, Borrani-Aluhochschulterfelgen, 32mm Telegabel, offene Federbeine hinten, Stummellenker,  knapp über 100kg schwer und bis 125km/h schnell (...wenn man selbst auch zu den Leichtgewichten gehörte.)

Anfangs wurden noch getrennte Gusszylinder verbaut und zwei 19mm Dell -orto Vergaser.(ca.16PS  bei 7800U/min)  Später wurden die Zylinder aus Aluminium gegossen und eine spezielle Chrombeschichtung sorgte für weniger Verschleiss an Kolben und Zylinder.

Auf dieser Basis enstanden 125 E2C, 125 E2CS (Strada), 125 E2C Sport und auch eine Scrambler (Geländeoptik) wurde angeboten.

 

Ab 1977/78 wurden Alugussfelgen verbaut, eine dritte Scheibenbremse arbeitete jetzt im Hinterrad, die Typbezeichnungen und Farbkombinationen veränderten sich, die Form derSitzbank wurde etwas moderner. Eine 150ccm Version mit 24PS bei 9800 U/min und bis zu 140km/h schnell  enstand aus dem aufgebohrten 125er Motor. 

 

So ging es in die 80er Jahre...

Strengere Geräuschvorschriften und der Wunsch der Kunden nach immer mehr Leistung führte zu einem neuen Motor mit Flüssigkeitskühlung. (auch bei

den 50ern)  Mehr Leistung bei gleichem Hubraum machte den nutzbaren Drehzahlbereich immer enger, man kam ohne 6-Ganggetriebe nicht mehr aus.  

"OB one" war die Antwort auf die übermächtige Konkurrenz aus Fernost und damit die stärkste und gleichzeitig letzte 125er von Malanca. 26PS bei 10800U/min., Verdichtung 11:1, über 140km/h waren da hinter der knappen Vollverkleidung drinn und die Sitzbank mit Kunstoffhöcker gab nach hinten Halt. Von der "OB one" sind noch verschiedene Varianten enstanden,eine moderne Enduro mit der bezeichnung MARK( mit nervösem Motor vom Strassenmodell) ging auch noch in Serie.

Aber 1986 musste Malanca die Tore wie viele andere Motorradhersteller in ganz Europa entgültig schliesen. 

 


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